Den Energiekreis beim spielen spüren

Einen kurzen Gedanke den ich als Anstoß verstehen möchte.

Bratsche spielen geht wie alles andere auch nur mit oder durch Energie. Eure eigene Energie in Form von Muskelkraft, aber auch die Energie der Musik, die Energie eures Herzens oder die Energie des Raumes, in dem ihr euch befindet.

Diese Energie ist in Bewegung und fließt in einem Kreislauf aus unserer Körpermitte durch unsere Arme in die Bratsche-Bogen-Einheit und von dort über unsere Arme zurück in unseren Körper.

Wir können es uns so vorstellen:energiekreis

In meinem Herzen entsteht ein Klangwunsch, das ist der Ausgangspunkt. Diesen übertrage ich durch Nervenbahnen auf meine Bogenhand, wo meine Ausdrucksintention in Muskelkraft übersetzt wird. Diese Kraft wird auf den Bogen übertragen, geht entlang der Stange den ganzen Weg durch bis zur Spitze und kommt entlang der Bogenhaare zurück bis zum Kontaktpunkt zwischen Bogen und Saite.

Das ist einer der wichtigsten Punkt, denn dort entsteht der Klang, der dann nach aussen transportiert wird.

Vom Kontaktpunkt könnt ihr die Energie weiter verfolgen durch die Saite hindurch bis zu dem Finger der linken Hand, der gerade aufliegt, durch diesen Finger weiter durch die linke Hand, den linken Arm und zurück zum Herzen.

Natürlich könnt ihr genauso gut vom Herzen links herum anfangen und dann vom aufgesetzten Finger der linken Hand die Energie entlang der schwingenden Saite bis zum Kontaktpunkt des Bogens verfolgen, entlang der Haare bis zur Spitze, durch das Holz bis zur rechten Hand und von dort durch den Arm bis zurück zum Herzen.

Es macht viel Spaß diese Kreise einmal rechts herum und links herum zu verfolgen!

Vergesst aber nicht, dass euer Klang nie durch eine einseitige Kraft entstehen kann.

Damit sich euer Klang ganz entfalten kann, muss die Energie immer gleichmäßig in beide Richtungen fließen. Dieser Gedanke hilft aber dabei, kompensatorischen Körperbewegungen auf die Spur zu kommen und beim Spielen in eurer Mitte zu bleiben..

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SMART Üben!

Wie kann ich mich selbst beim Üben Motivieren und effizient vorankommen?

Der Kopf sollte der Entscheidungsträger sein. Dieser entscheidet, dass jetzt geübt wird, dieses Stück oder Abschnitt geübt wird, und welches Ziel dabei erreicht werden sollte.

Zur Erinnerung, ob ein Ziel gut zu realisieren ist, kann der SMART-Test durchgeführt werden.

Gute Ziele sind SMART, was bedeutet das?

S wie Spezifisch: das Ziel muss klar definiert werden.

Beispiele:

-Fingersätze finden für die erste Seite des Stückes.

– ein durchgängiges Vibrato erreichen für diese Phrase.

-einmal durchspielen, auch wenn ich dabei Fehler mache.

M wie Messbar : so gut es geht quantifizierbar, und ihr müsst wissen, ob und wann ihr dieses Ziel erreicht habt. Ganz wichtig, denn ihr wollt euch auch loben oder belohnen, wenn das Ziel erreicht ist.

A wie Attraktiv: motivierend für mich, also positiv und mir gegenüber liebevoll formuliert! Beim Üben seid ihr euer eigener Trainer! Also seid ein guter Trainer und nicht ein Tyrann mit euch selbst.

R wie Realistisch: also lieber das große Ziel (diese Sonate auswendig spielen in 5 Wochen) herunterbrechen und auf heute machbare Schritte zerkleinern.

T wie Terminbezogen:  ich empfehle euch, eine Mischung aus Terminen und Zeitspannen zu benutzen. Entscheidet vorher, wie lange ihr an einer bestimmten Passage üben wollt, und hört dann auch auf, wenn die Zeit um ist. Bitte vertraut darauf, dass reglemäßiges Üben Früchte trägt und dass nicht alles heute erreicht werden muss, auch wenn ihr unter Termindruck steht.

Lasst uns schauen, was das in der Praxis bedeuten könnte.

also statt: 1) Ich will dieses Stück perfekt spielen!

lieber: 2) Ich arbeite 25 Minuten an  dieser Passage, um die Intonation zu verbessern.

Lasst uns kurz die psychologische Wirkung beider Aussagen untersuchen:

bei 1) sind viele Gefahren vorhanden: das Wort  „perfekt “ setzt mich SOFORT unter Druck. Zum einen gibt es keine Perfektion, auch kein perfektes Spiel, und wenn, sicherlich nicht innerhalb eines Übetages. Zum anderen kann ich das Ziel sehr schwer begreifen. Wann hätte ich es denn erreicht? Woran könnte ich erkennen, dass es perfekt geworden ist? Wenn ich alle Töne schnell und sauber hinkriege? Wenn der Lehrer mich lobt? Wenn ich eine 1 bei der Prüfung bekomme? Wenn der erste Plattenvertrag  in der Post liegt? Natürlich möchten wir so nah wie möglich an unser klangliches Ideal herankommen, aber dieses Ideal kann nur vom Herz erfühlt werden und nicht vom Kopf  definiert werden.

Zum anderen ist das Ziel so weit in der Zukunft, dass es mich jetzt gerade schnell demotivieren könnte. Ich muss dann sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen aufbringen, damit ich Wochen lang am Ball bleibe und mein Ziel nicht aus den Augen verliere.

Und noch eine Anmerkung: mit dem Wort „will“ oder „wollen“ ist auch schnell eine Verkrampfung im Geist erreicht. Es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen entscheiden,was ich tun werde, und, es unbedingt wollen. Manche Menschen werden regelrecht von Ihrem Willen blockiert.

Überlegt also scharf, ob ihr zu viel oder zu wenig wollt. Positiver ist meistens, sich etwas zu wünschen, und dann das Nötige tun, damit es entstehen kann.

Wenn ihr einen Kuchen backt, mischt ihr alle Zutaten nach Rezept oder Inspiration, aber ihr macht nicht jede Minute die Ofentür auf und prüft, ob der Kuchen auch gelingt.

Ihr habt das Nötige getan und vertraut auf die Wirkung.

Dasselbe gilt für das Bratsche-Üben!

Dagegen verspricht mir  Aussage 2) einen baldiges Erfolgsgefühl! In 25 Minuten kann ich mein gesetzes Ziel erreicht haben.

Ich weiss auch ganz genau, wann die nächste Pause ist, nämlich in 25 Minuten.

Ich habe eine klare Aufgabe vor mir, da ich mir einen einzigen Parameter herausgesucht habe, und laufe nicht Gefahr, mich zu verzetteln.

Natürlich könnt ihr euch auf mehrere Parameter konzentrieren, besonders wenn der Zustand des Stückes schon fortgeschritten ist.

Und ich bin motiviert, weil ich realistische Chancen habe, mit mir bald zufrieden zu sein!

Zusammenfassung: Wie ihr seht, ist das Formulieren eines Übeziels eine wichtige Komponente des Übens, und ihr könnt euch damit sehr gut motivieren.

Und noch ein Wort über die Abwechslung verschiedener Übeziele. Hilfreich ist es, meistens zu wechseln zwischen einer analytischen Arbeitsweise, also  nach dem Prinzip „eins nach dem anderen“, und einer ganzheitlicher Arbeitsweise („Das grosse Ganze wieder spüren“).

Bei „eins nach dem anderen“ meine ich: jetzt die Saitenwechsel, jetzt das Vibrato, jetzt die Lagenwechsel usw.

Bei „das grosse Ganze “ meine ich: übe ich in die Richtung meiner Vorstellung? Wo geht die Phrase hin? Wie ist mein Klang? Und  meine emotionale Beteiligung? Und wie fühlt sich mein Körper an? Dass sind sehr wichtige Fragen, die euch immer daran erinnern, woran ihr seid, und wohin ihr wollt. Sonst besteht die Gefahr des sinnlosen Übens!

Viel Spaß beim Ausprobieren von SMART-Ziele!

Darüber hinaus empfehle ich, mit der Pomodoro-Methode die Zeiteinheiten zu erfassen. Aber darüber schreibe ich in meinem nächsten Artikel.

Haltung der Bratsche, Winkel

Um eine Haltung zu entwickeln, die sowohl der Gesundheit wie auch den technischen Schwierigkeiten des Spiels gerecht wird, möchte ich mit den großen Winkeln im Körper anfangen.

Als erstes möchte ich erklären, wie wir einen günstigen Winkel der Arme zur Wirbelsäule herausfinden können.

Hierzu eine kleine Anleitung:

-die Bratsche erst einmal für einen Moment weglegen (doch doch, kleiner Umweg, der sich aber lohnt :-))

-sich aufrecht stehend hinstellen, am besten vor dem Spiegel

-die Füße sollten hüftbreit voneinander entfernt sein, die Knie und Sprunggelenke locker.

1. Beide Arme bis zu den Schultern hochheben, als ob Du jemanden umarmen willst: „Hallo, wie schön dich zu sehen!“ Dabei aufmerksam in den Schulterblättern spüren, dass die Arme nur nach oben gehoben und nicht nach vorne geschoben werden.

2. Jetzt den linken Arm nach links und den rechten Arm geradeaus nach vorn bewegen, und die Arme wieder heben. Jetzt hast Du einen 90°-Winkel zwischen beiden Armen.

3. Jetzt den linken Arm nach vorne, und den rechten Arm geradeaus nach vorne, und wieder heben. immer noch ist ein 90°-Winkel vorhanden.

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4. jetzt bleiben wir oben und wechseln hin und her zwischen Position 2 und Position 3, wobei wir darauf achten, dass der 90°-Winkel bei der Bewegung erhalten bleibt.
5. bei der nächsten Hin- und Herbewegung in der Mitte bleiben, d.h. der Winkel verteilt sich gleichmäßig auf beide Seiten der Wirbelsäule, also 45° nach links und 45° nach rechts.
6. den linken Arm beugen und den rechten nach innen drehen – und schon ist ein spielbarer Winkel gefunden!

Erster Blog-Versuch einer Musikerin

Wie kann sich eine Musikerin mit Worten ausdrücken, die sonst alles visuell oder kinestätisch auffasst? Das weiß ich noch überhaupt nicht, aber ich habe ja als einen meiner Top 10 für 2012 ganz oben aufgeschrieben: öfters was neues ausprobieren!

Na also, nach dem Motto, wer es macht, kann’s….